Herzlich Willkommen zu den AI FIRST Insights!
In den letzten Tagen kam ich an einem Artikel nicht mehr vorbei. Egal ob LinkedIn, X oder Direktnachrichten aus meinem Netzwerk: Matt Shumers Blogpost "Something Big Is Happening" war überall. Über 50 Millionen Aufrufe allein auf X, und die Zahl wächst weiter.

Quelle: https://x.com/mattshumer_/status/2021256989876109403
Als ich den Artikel gelesen habe, dachte ich: Ja, genau das ist es, was ich gerade auch empfinde.
Und ich glaube, genau deshalb geht dieser Artikel so viral. Shumer beschreibt etwas, das viele Menschen gerade fühlen, aber selbst nicht in Worte fassen konnten. Das Gefühl, dass sich gerade etwas Grundlegendes verschiebt.
In meinen letzten beiden Newslettern (Teleskop in die Zukunft & Werte statt Regeln) habe ich die neuen Entwicklungen reflektiert und beschrieben, wie wir KI führen können, wenn sie immer eigenständiger wird.
Aber das griff alles zu kurz.
Shumers Artikel macht die Dringlichkeit noch greifbarer.
In diesem Artikel bekommst du eine kurze Zusammenfassung des Artikels und meine Antwort auf die Frage, die Matt unbeantwortet ließ: Was bedeutet das konkret für dich und dein Unternehmen?
Los geht's!
Was Shumer beschreibt und warum er recht hat
Shumers Artikel lässt sich auf eine Kette von drei Aussagen reduzieren. Und diese Kette ist das, was die Tragweite erst deutlich macht.
1. KI wird immer schneller immer besser, weil KI sich selbst verbessert
OpenAI hat bei der Veröffentlichung von GPT-5.3 Codex etwas geschrieben, das man zweimal lesen muss:
"GPT-5.3-Codex is our first model that was instrumental in creating itself."
Die KI hat an ihrer eigenen Entwicklung mitgebaut. Sie hat Fehler im eigenen Training debuggt, das eigene Deployment gemanagt und eigene Testergebnisse ausgewertet.
KI-Modelle werden besser im Programmieren -> bessere Programmierung beschleunigt die Entwicklung der nächsten KI-Generation -> die nächste Generation programmiert noch besser -> ...und so weiter.
Diese Szenario wurde auch schon im AI 2027 Report als der wichtigste Beschleuniger der KI-Entwicklung beschrieben.

2. KI wird in immer mehr Aufgaben besser als der Mensch
Die direkte Konsequenz aus dieser Selbstbeschleunigung ist, dass KI uns in immer mehr Bereichen überholt.

(Ich habe diese Grafik zwar schon 10x in meinen Artikeln referenziert, aber werde nicht müde es zu wiederholen. Sie zeigt, wie KI uns im Laufe der Zeit in immer mehr Fähigkeiten überholt hat. Die Zyklen wurden in den letzten Jahren immer kürzer.)
Shumer beschreibt, dass eine KI 4 Stunden eigenständig an einem Produkt gearbeitet habe und ein besseres Ergebnis liefert, als er es selbst gebaut hätte.
Ich sehe aktuell noch deutlich mehr Graustufen. Damit wir Coding-Agenten mehrere Stunden autonom arbeiten lassen können, müssen wir aktuell noch mehrere Stunden Zeit in die Erarbeitung eines extrem detaillierten Plans investieren. Auch außerhalb von Coding verlaufen sich Agenten hin und wieder und müssen durch Iteration zurück auf den Weg gebracht werden.
Jetzt kommt das aber.
Punkt 1: Vor wenigen Monaten war diese Autonomie und Qualität der Ergebnisse noch nicht möglich. Claude Opus 4.5 / 4.6 und GPT 5.3 Codex haben diesen Sprung möglich gemacht. Auch wenn sich ein Agent mal verirrt oder noch Zeit in das Briefing investiert werden muss, ist der Produktivitätssprung enorm!
Punkt 2: Die meisten Aufgaben in Unternehmen sind weit weniger komplex als die Entwicklung und Programmierung eines Produktes. Sämtliche Text- und Bild-basierte Aufgaben lassen sich bereits zu einem Großteil automatisieren, wenn Prozesse, Daten und Schnittstellen für KI zugänglich sind.
3. Keine KI, keine Chance
Shumer macht in seinem Artikel unmissverständlich klar: Wer KI jetzt nicht für sich nutzt, wird abgehängt.
Die Argumentation ist denkbar einfach. Wenn KI in immer mehr Aufgaben besser wird als wir, dann werden die Menschen und Unternehmen, die KI einsetzen, diejenigen überholen, die es nicht tun.
Die Kluft zwischen denen, die KI nutzen, und denen, die es nicht tun, ist jetzt schon riesig und wird sich weiter vergrößern. Das liegt insbesondere an der geringen Anpassungsgeschwindigkeit von Unternehmen.

Shumers Empfehlung: "Spend one hour a day experimenting with AI."
Das ist ein gut gemeinter Rat, aber
a) Was bedeutet das für mich persönlich?
b) Wie bereite ich mein Unternehmen darauf vor?
Genau da will ich jetzt reingehen.
Wie Du vor die Welle kommst
Im Kern geht es darum, dass wir einer KI beibringen müssen, wie sie unseren Job machen kann. Das klingt erstmal unheimlich, wird aber unausweichlich, wenn KI ohnehin besser in den meisten Aufgaben wird.
Indem du dich mit KI skalierbar machst, wirst du zur wertvollsten Person in deinem Team und setzt Kapazität frei, die du in deine Weiterentwicklung und Wertschöpfung (Kunden, Produkte, Innovation) investieren kannst.
Was brauchst du dafür?
(P.S. Ich habe Anfang des Jahres einen ausführlichen Guide geschrieben, wie ich heute mit KI arbeite. Lies dir am besten auch diesen Artikel nochmal durch.
P.P.S. Unten in diesem Abschnitt findest du eine Ressourcen-Liste für die Umsetzung.)
Schritt 1: AI-First Zielbild für deine Rolle
Irgendwo anfangen und 60min / Tag mit KI experimentieren ist besser als gar nichts zu tun, aber wird dich nicht weit bringen. Du brauchst Klarheit über die Bereiche deines Jobs, die von KI übernommen werden, und diejenigen, die weiterhin bei dir bleiben.
Auf dieser Basis kannst du anfangen, die Aufgabenbereiche mit starkem KI-Einfluss an KI zu delegieren.
Schritt 2: Kontext-Basis aufbauen (!!!)
Wenn Du KI wirklich heben willst, wird der Aufbau einer Kontext-Basis Deine wichtigste Aufgabe sein. Wenn KI in immer mehr Dingen besser wird als wir, kann sie diese Fähigkeiten nur dann wirklich produktiv einsetzen, wenn sie so viel wie möglich über dich weiß. KI benötigt deinen vollständigen Kontext.
Dazu zählt:
- Unternehmenskontext
- Produkte und Services
- Deine Rolle und Aufgaben
- Werte, Prinzipien und Ziele
- Arbeitsweisen und Prozesse
- Schreib- und Kommunikationsstil
Nutze auch hier KI als deinen Interview-Partner.
Schritt 3: Prozesse / SOPs dokumentieren
Neben dem vollständigen Kontext muss eine KI ganz genau verstehen, wie du arbeitest und wie du vom Start zum Ziel kommst. Fang dafür an deine Top 10 wiederkehrenden Abläufe detaillierte zu dokumentieren.
Schritt 4: Use Cases systematisieren
An diesem Punkt hast du:
- Klarheit über KI-Einfluss in deiner Rolle (Zielbild)
- Dein Wissen für KI zugänglich gemacht
- Standardabläufe sauber dokumentiert
Wenn du die oberen Punkte mit Sorgfalt erarbeitet hast, kann KI einen relevanten Anteil der Arbeit für dich erledigen und du hast mehr Kapazität. Für den Start empfehle ich dir, Agenten zu erstellen, welche die SOPs ausführen und Zugriff auf die notwendigen Tools und Kontext-Dateien haben.
Ressourcen-Liste
Die folgenden Ressourcen helfen Dir bei der Umsetzung:
- AI-First Zielbild Coach: Hilft bei der Erarbeitung deiner Rolle im KI-Zeitalter
- KI-Interviewer: Hilft bei der Erstellung der Kontextbasis
- Prozess-Architekt: Hilft bei der detaillierten Dokumentation von SOPs
- Agenten-Tempaltes: Hilft bei der Erstellung der Agenten-Anweisungen
Viele Tool-Anbieter kommen aktuell mit den Entwicklungen nicht hinterher und können ihren Nutzern nicht die Fähigkeiten bereitstellen, die KI eigentlich schon hat. Wer heute mit den Chatbots von ChatGPT, Copilot oder Gemini arbeitet, kann das was Matt Shumer beschreibt nur zum Bruchteil nutzen. Claude hat aktuell klar die Nase vorn, aber die anderen großen KI-Anbieter werden die Fähigkeiten nachziehen. Setze deine Zeit jetzt in die Vorbereitung (Kontext aufbereiten, SOPs dokumentieren) anstelle von Tool-Hopping.
Du bist nicht allein damit
In unserer AI FIRST School haben wir 1.000+ Mitglieder, die den gleichen Weg gehen. Wir führen wir dich Schritt-für-Schritt durch die Entwicklung produktiver KI-Routinen und die Umsetzung von Use Cases, inkl. Aufbau deiner Kontext-Basis, Setup von Agenten und vielem mehr.
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Hier bekommst Du alle Info’s zur Teilnahme.
Unternehmen müssen JETZT den Gang wechseln
Alles, was auf individueller Ebene gilt, gilt auf der Unternehmensebene genauso – nur vielfach. Der Hebel ist größer, die Komplexität höher und die Konsequenzen weitreichender.
Aber was machen die meisten Unternehmen gerade?
Sie verhandeln Betriebsvereinbarungen, lizenzieren Microsoft Copilot, erstellen 25-seitige KI-Richtlinien und buchen Grundlagenschulungen. All das ist nicht falsch, aber behandelt KI wie eine Tool-Einführung.
KI ist kein Tool. KI ist auch kein Mitarbeiter.
Ein Tool hat eine Funktion. Ein Mitarbeiter hat eine Rolle und eine begrenzte Kapazität. KI hat nichts davon. KI ist ein System, über das in Zukunft ein Großteil der digitalen Arbeit abgewickelt wird. Wer das nicht versteht, optimiert an der falschen Stelle.
Damit KI im Unternehmen wirklich arbeiten kann, braucht sie vier Dinge:
- SOPs – Klare Arbeitsanweisungen für jeden Prozess, den KI ausführen soll
- Kontext – Strukturiertes Unternehmenswissen, auf das KI jederzeit zugreifen kann
- Spielregeln – Klare Governance: Wo darf KI autonom handeln, wo prüft ein Mensch?
- Schnittstellen – Zugang zu den Tools und Systemen, in denen die Arbeit stattfindet
Wenn KI das alles hat, kann sie so ziemlich jede Arbeit erledigen, die am Bildschirm stattfindet. Heute schon in vielen Bereichen. In Zukunft in immer mehr.
Dieses Verständnis muss bei einer Person im Unternehmen ankommen. Und diese Person ist der CEO.
Denn die Veränderungen, die daraus folgen, betreffen nicht ein einzelnes Team oder ein einzelnes Tool. Sie betreffen die gesamte Art und Weise, wie Arbeit im Unternehmen organisiert wird. Prozesse, Daten, Strukturen, Rollen, Arbeitsweisen – alles muss darauf ausgerichtet werden, dass KI darin möglichst gut arbeiten kann. Das kann keine Fachabteilung und kein Innovationsteam allein stemmen. Nur wenn KI als eines der Top-3-Themen in der Geschäftsführung verankert ist, werden diese Veränderungen überhaupt umsetzbar sein.
Die Anwendung des AI-First Prinzips auf die Arbeitsweise des Unternehmens wird zur zentralen Aufgabe für die Zukunftsfähigkeit.
Bei einem bin ich mir sicher: In den nächsten 12 Monaten sehen wir die ersten “Tiny Teams”, die relevante Marktanteile der Etablierten erobern.
Wenn du Geschäftsführer bist und dich fragst, wie du diese Transformation gestalten sollst, dann schreib mir einfach eine Antwort auf diese Mail. Ich lese jede Nachricht und antworte persönlich mit meinen Erfahrungen.
🏁 Fazit
Ich kann den Hype um Shumers Artikel absolut nachvollziehen. Er beschreibt etwas, das viele gerade spüren, und bringt es auf den Punkt.
Was für mich bleibt: Jetzt ist wichtig, vor der Welle zu bleiben. Und das Wichtigste dabei ist die Anwendung. Nicht noch mehr über KI lesen. Nicht noch ein Tool testen. Sondern anfangen, KI wirklich in die eigene Arbeit zu integrieren und Aufgaben abzugeben, die KI schon längst schneller und besser erledigt.
Dann eröffnen sich Chancen, die bisher durch begrenzte Kapazitäten schlicht ausgeschlossen waren und wir finden heraus, wodurch sich unser Wert neu definiert.
Wer jetzt lernt, mit KI richtig umzugehen, dem stehen die besten Zeiten bevor.
Bis nächsten Sonntag,
Felix








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