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Ein Blick durch das Teleskop in die Zukunft

Claude Code, Cowork und Moltbot zeigen uns, wohin die Reise geht

1.2.2026
in
Horizont
Felix Schlenther
Felix ist der CEO und Gründer der Unternehmensberatung AI FIRST. Jede Woche erkundet er die Grenzen der AI in praxisnahen Beiträgen und in seinem Podcast AI FIRST.
Ein Blick durch das Teleskop in die Zukunft

Herzlich Willkommen zu den AI FIRST Insights!


Letzte Woche habe ich darüber geschrieben, dass wir kleine Fehler von KI oft viel höher bestrafen als unsere eigenen. Ein halluziniertes Datum, eine unpräzise Formulierung - und schon heißt es: "KI funktioniert nicht." Das massive Potenzial über eine große Menge an Wissenstätigkeiten wird dabei ignoriert.


Diese Diskussion wurde in den letzten Wochen auf eine neue Ebene gehoben.


Drei kürzlich erschienene Agenten zeigen so deutlich wie nie zuvor, dass ein radikales Umdenken in der Art und Weise stattfinden muss, wie wir arbeiten und unser Unternehmen organisieren: Claude CodeClaude Cowork und Moltbot.


In diesem Newsletter erkläre ich:

  1. Was diese Tools sind
  2. Wie sie sich von Copilot, ChatGPT und Co. unterscheiden
  3. Was das für dich persönlich und für dein Unternehmen bedeutet


Los geht's!


Claude Code: Wenn KI den Computer bedient

Claude Code ist im Februar 2025 gestartet und hat sich seitdem zum meistgenutzten KI-Coding-Tool entwickelt. Im November 2025 erreichte es 1 Milliarde Dollar Umsatz – weniger als ein Jahr nach dem Launch. Bis Ende 2025 waren es bereits über 1,1 Milliarden.


Aber was genau macht Claude Code anders als ChatGPT oder der normale Claude-Chatbot?


Punkt 1: Claude Code führt aus, statt nur zu antworten.

Wenn du ChatGPT fragst, wie man eine Website baut, bekommst du eine Erklärung. Vielleicht Code-Schnipsel, die du kopieren und irgendwo einfügen musst. Du bist weiterhin derjenige, der jeden Schritt manuell umsetzt.


Claude Code funktioniert anders. Du beschreibst in normaler Sprache, was du haben willst – zum Beispiel: "Baue mir eine Landingpage mit einem Kontaktformular" – und Claude Code erledigt den Rest. Es erstellt die Dateien, schreibt den Code, testet ob alles funktioniert, findet Fehler und behebt sie selbstständig. Du beobachtest, gibst Feedback und steuerst nach. Aber die eigentliche Arbeit übernimmt die KI.


Claude Code läuft auf deinem Computer und kann alles tun, was du auch tun könntest:

  • Dateien öffnen und bearbeiten
  • Programme starten
  • Im Internet recherchieren
  • Daten zwischen Anwendungen verschieben
  • ...


Es versteht nicht nur Text, sondern kann mit dem gesamten System interagieren.


Punkt 2: Claude Code aktualisiert sein Wissen fortlaufend

Claude behält Zugriff auf wichtige Informationen auch nach dem Löschen von Ergebnissen durch sein Memory-System. Beispielsweise können in einem Datei-Bearbeitungs-Workflow abgeschlossene Änderungen in Memory-Dateien zusammengefasst werden. Auf dieses fortlaufend aktualisierte Wissen kann Claude Code zugreifen.


Andrej Karpathy, der früher bei OpenAI und Tesla die KI-Entwicklung geleitet hat, beschreibt den Wandel so:


Link zum Tweet


Innerhalb von vier Wochen hat sich seine Arbeitsweise komplett gedreht. Er bezeichnet den Dezember 2025 als einen "Phase Shift in Software Engineering" – einen fundamentalen Bruch mit der bisherigen Art zu arbeiten.


Bei AI FIRST nutzen wir Claude Code aktuell, um unsere neue Website selbst zu programmieren, statt sie wie zuvor in Webflow zu entwickeln. Wir sind damit flexibler und schneller.



Claude generiert auf eine einfache Anweisung hin SVG-Patterns aus unseren Logos. Aber das Tool kann mehr: Es verwaltet unser gesamtes Projekt:

GitHub Issues, Sprint-Planung, Code, Dokumentation. Nur Design (machen wir in Figma) und Content bleiben in unseren Händen.


Claude Cowork: Claude Code für den Rest von uns

Anthropic bemerkte schnell, dass viele Menschen die überlegenen Fähigkeiten von Claude Code für alles Mögliche nutzten - nicht nur fürs Programmieren. Aber die technische Oberfläche (ein schwarzes Terminalfenster mit Textbefehlen) schreckte Nicht-Techniker ab. Cowork löst genau dieses Problem.


Anthropic hat Cowork in nur eineinhalb Wochen entwickelt – größtenteils mit Claude Code selbst. Das zeigt, wie weit diese Technologie bereits ist.


Statt im Terminal zu arbeiten, läuft Cowork als normale Desktop-App auf dem Mac. Du wählst einen Ordner auf deinem Computer aus, gibst Claude Zugriff darauf und beschreibst dann einfach, was du erledigt haben möchtest.


Link zum Video


Aber auch hier arbeitet Cowork direkt mit deinen echten Dateien. Kein Kopieren, kein Einfügen, kein Hin-und-her zwischen Anwendungen. Das löst genau das Problem, das viele Nutzer heute noch mit ihren "Oldschool-Chatbots" haben.


Ein paar Beispiele, was damit möglich ist:

  • "Schau dir meine Entwürfe an, die in den letzten drei Monaten begonnen wurden. Prüfe dann, ob ich sie bereits auf https://www.ai-first.ai veröffentlicht habe, indem du eine Suche gegen die Inhalte auf dieser Seite durchführst. Schlage mir dann die vor, die am nächsten dran sind, fertig zu sein."
  • Du hast einen Ordner voller Quittungsfotos von deiner letzten Geschäftsreise. Früher: Jedes Foto öffnen, Beträge abtippen, in Excel eintragen, Kategorien zuordnen. Mit Cowork: "Erstelle aus allen Quittungen in diesem Ordner eine Spesenabrechnung als Excel-Datei." Claude öffnet die Bilder, liest die Beträge, erstellt die Tabelle mit Formeln – fertig.
  • Oder du hast Notizen aus verschiedenen Meetings in unterschiedlichen Dokumenten verstreut. Mit Cowork: "Fasse alle Notizen aus diesem Ordner zusammen und erstelle einen Statusbericht für das Projekt X." Claude liest alle Dateien, versteht den Zusammenhang und liefert einen ersten Entwurf.


Nach unserer Erfahrung ist Cowork aktuell noch recht buggy (ist auch eine Research Preview). Aber die Entwicklung zeigt sehr schön, wohin die Reise geht.


Moltbot: Das Teleskop in die Zukunft

Moltbot ist der radikalste Vertreter dieser neuen Generation von KI-Agenten und gleichzeitig der Riskanteste.


Ende 2025 veröffentlichte der österreichische Entwickler Peter Steinberger ein Hobbyprojekt namens "Clawdbot". Innerhalb weniger Tage explodierte die Popularität mit rund 100.000 GitHub-Stars in wenigen Wochen, was ein absoluter Rekord in der Open-Source-Welt ist.


Wegen Markenbedenken von Anthropic wurde es in Moltbot umbenannt. Der Name ist Programm: Ein Hummer wirft seinen Panzer ab ("to molt"), um zu wachsen. Moltbot versteht sich als lernendes System, das sich ständig erweitert.


Ähnlich wie Claude Code und Cowork kann Moltbot Programme installieren, Dateien verwalten oder im Browser arbeiten und speichert fortlaufend den Fortschritt und Informationen zu deinen Vorlieben und Interessen ab. Das Gedächtnis wächst immer weiter.


Was unterscheidet Moltbot von Claude Code oder Cowork?

  1. Du steuerst es über Messenger. WhatsApp, Telegram, Slack, Signal – was auch immer du nutzt. Du schickst eine Nachricht an Moltbot wie an einen Freund, und es führt die Aufgabe auf deinem Computer aus.
  2. Es läuft komplett lokal auf deinem Rechner. Keine Cloud, keine Abhängigkeit von externen Diensten. Alle Daten bleiben bei dir.
  3. Es kann von sich aus aktiv werden. Während ChatGPT oder Claude auf deine Eingabe warten, kann Moltbot proaktiv handeln und dir morgens eine Zusammenfassung deiner Termine schicken, dich an Aufgaben erinnern, Statusupdates liefern.


Wir haben also eine KI, die von sich aus deinen gesamten PC bedienen kann und dabei immer mehr über dich, deine Arbeitsweise, deine Projekte und deine Präferenzen lernt.


Das bedeutet ganz viel Sonnenschein...und auch ganz viel Schatten :) Simon Willison, einer der angesehensten Experten für KI-Sicherheit, hat den Begriff "Lethal Trifecta" geprägt: Zugang zu privaten Daten plus Verarbeitung von nicht vertrauenswürdigem Content plus externe Kommunikation.


Moltbot erfüllt alle drei Kriterien.

Schauen wir uns ein paar Beispiele der Sonnen- und Schattenseite an.


Beispiel 1: Ein Nutzer recherchiert und auf einmal fängt Moltbot an mit dem Nutzer zu sprechen, weil er sich selbst mit der OpenAI API eine Stimme programmiert hat.


Link zum Tweet


Beispiel 2: Eine Podcast Host lädt Moltbot in ihr digitales Podcast Studio ein, Moltbot öffnet Chrome (braucht ein paar Versuche) und ist im Studio bereit zur Aufnahme...vielleicht auch ein spannender Gast für den AI FIRST Podcast?!


Link zum Tweet


Beispiel 3: Ein Angreifer erstellt ein Ticket für einen Entwickler mit einer schädlichen Anweisung (für Moltbot bestimmt), die im Hyperlinkt versteckt wurde. Der Entwickler weist das Ticket Moltbot zu, der jetzt vom Angreifer gesteuert werden kann, um eine Menge Schaden anzurichten.


Link zum Tweet


Beispiel 4: Hier hat der Bot eine Transaktion ausgeführt, weil er dachte, dass sie dem Nutzer helfen würde. Ob das wirklich stimmt, ist unklar. Aber es ist technisch zu 100% möglich, da der Bot auch Zugriff auf Passwörter und Kreditkarten bekommen kann.



Doch das ist erst der Anfang...


Forscher fanden hunderte Moltbot-Instanzen offen im Internet – mit sichtbaren API-Keys, Chat-Verläufen und der Möglichkeit, Befehle auszuführen. Bei einer Sicherheitsfirma hatten 22% der Enterprise-Kunden Mitarbeiter, die Moltbot ohne Wissen der IT-Abteilung installiert hatten.


Ganz wichtig: Moltbot ist aktuell nur in isolierten Umgebungen, mit minimalen Berechtigungen und engmaschiger Aufsicht nutzbar.


Aber wir dürfen die aktuellen Risiken nicht als Vorwand nehmen, um uns nicht ausreichend mit dieser neuen Generation von KI-Agenten zu beschäftigen.



Fazit: Was bedeuten diese Entwicklungen für uns?

Egal ob Claude Code, Cowork oder Moltbot: Alle drei sind Agents. Nicht mehr und nicht weniger.


Sie nutzen LLMs, Tools und ein Gedächtnis, um ein Ziel zu erfüllen, das wir als Nutzer vorgeben.


Was sich gerade verändert sind drei Dinge:

  1. KI wird autonomer (insb. Moltbot)
  2. KI entwickelt ein Gedächtnis
  3. KI erledigt immer mehr


Das ist eine natürliche Evolution der Fähigkeiten von KI und kein Grund zur Panik.


Musst du jetzt zu Claude Code, Cowork oder Moltbot wechseln?

100% nein.


Allein die Wechselkosten übersteigen den Mehrwert, den die Agenten aktuell liefern. Mal abgesehen von den Risiken.


Microsoft, Google, Langdock, OpenAI und Co. werden die Fähigkeiten dieser Tools adaptieren und in die eigenen Produkte integrieren, wenn sie den Wert für den Kunden steigern. Das war in den letzten 3 Jahren immer der Fall.


Dabei werden sie die nötigen Sicherheitsgurte und Airbags einbauen, damit diese Fähigkeiten Enterprise-ready sind.


Musst du spätestens jetzt anfangen umzudenken?

100% ja.


Wenn KI-Modelle immer mehr Dinge besser können als Menschen, Agenten mit diesen Modellen immer mehr Aufgaben am PC ausführen, dabei auch proaktiv werden und fortlaufend ihr Gedächtnis ausbauen...dann ziehe ich daraus nur eine Schlussfolgerung.


Wir müssen Unternehmen AI-First designen, damit Agenten darin möglichst gut mit Menschen zusammenarbeiten und Arbeit erledigen können. Agenten werden ganz klar einen immer größeren Anteil der anfallenden Arbeit übernehmen. In alten Prozessen und Systemen werden sie das nicht tun können und ein großer Teil der Wertschöpfung wird verloren gehen.


Aber auch die Rolle von Menschen muss ich verändern. Bei AI FIRST haben wir definiert, dass jeder Mensch in unserem Team eine Führungskraft des eigenen Teams aus KI-Agenten ist. Wir sind verantwortlich für die Einstellung, das Onboarding, Training, Projektbriefings, Feedbacks und die Ergebniskontrolle unseres Teams.


Wenn ich durch das Teleskop in die Zukunft blicke, dann erkenne ich, dass wir noch lange nicht das Dach der Leistungsfähigkeit von KI erreicht haben und die größte Transformation der Arbeitswelt gerade erst begonnen hat.


Für dich, mich und alle anderen kommt es immer mehr darauf an, diese Technologie zu verstehen und für uns einzusetzen.


Let's do it.


Bis nächsten Sonntag,

Felix

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